Stellungnahme: Ein Joghurt mit unsozialem Beigeschmack

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Ein Joghurt mit unsozialem Beigeschmack

Wenn ein Minister Quark über Joghurt erzählt…

Als im Dezember der Düdelinger Gemeinderat über die geplante Joghurt-Fabrik FAGE in der Industriezone Wolser debattierte, war der Joghurt schon obergärig: es konnte nur noch über das Genehmigungsverfahren abgestimmt, nicht aber über das Profil dieser ersten Niederlassung seit langer Zeit entschieden werden.

Immerhin führten die Argumente der Grünen im Düdelinger Gemeinderat dazu, dass sich die gesamte Opposition enthielt derweil sich die sozialistische Mehrheit mit leichtem Unbehagen hinter ihren Wirtschaftsminister stellen musste.

Im 100,7-Interview äußerte nun Minister Etienne Schneider sein Erstaunen über die Skepsis gegenüber der Installierung einer Fabrik für griechischen Joghurt in Luxemburg. Das sei ja ein nachhaltiges Produkt, umweltschonend hergestellt, und lediglich der Benelux-Markt werde beliefert.

Das Projekt ist nicht nur wegen seiner Umweltprobleme – extrem hoher Wasser- und Rohstoffverbrauch, hohes Verkehrsaufkommen, ein industrielles fast food Produkt, das auch lokal und handwerklich hergestellt werden könnte – sondern vor allem wegen seines sozialpolitischen Impakts mehr als zweifelhaft.

Von umweltpolitischen Überlegungen abgesehen, die ja noch Gegenstand laufender Verfahren sind, könnte man folgende sozialpolitischen Argumente gegen die Implantierung von FAGE in Luxemburg anführen:

  1. Als die neue Regierung Griechenlands 2012 die Unternehmensteuer erhöhte, um wenigstens ein bisschen Geld in die leeren Staatskassen zu spülen, war das Familienunternehmen FAGE das erste, das seinen Sitz ins Ausland verlegte, um keine Steuern mehr im Heimatland zu zahlen. Dies ins Steuerparadies Luxemburg, wo sich der Sitz mittlerweile in Strassen befindet.
  2. Glaubwürdigen Quellen nach befinden sich, auf geheimen Bankkonten in Steueroasen, Guthaben griechischer Millionäre in ähnlicher Höhe wie die der gesamten Schuldenlast, unter der die Bevölkerung unter unwürdigen Bedingungen zu leiden hat.
  3. Die Firma FAGE legt nun noch einen drauf und verlagert auch ihre Produktion nach Luxemburg, und zwar in die nationale Industriezone Wolser zwischen Bettemburg und Düdelingen.
  4. In der Tat: nachdem FAGE in Griechenland die Herstellung von Frischmilch bereits eingestellt hat, wird sie, laut unbestätigten Medienberichten aus Griechenland, auch das Joghurtwerk im griechischen Norden schließen, weil die Produktion für den europäischen Markt nunmehr ganz in Luxemburg stattfindet. In diesem Worstcase Szenario würden mehr als 200 Arbeiter auf die Straße gesetzt.
  5. Steuerflucht in ein Steuerparadies und Verlagerung von Arbeitsplätzen aus dem Armenhaus Europas in das reichste Land der Welt: wenn das die internationalistische Solidarität ist, na denn: bravo, Genosse Schneider!

déi gréng Diddeleng - 24-01-2018