Neischmelz: let’s make destruction happen!

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Wie „Sites et Monuments“ Zerstörung von Industriekultur vorantreibt, auch in Düdelingen

Nun ist die Katze aus dem Sack, nachdem der Sack auf Neischmelz zuerst schön ausgeschaut hatte. In der Tat sah bis letzte Woche das Projekt Neischmelz der Architekten und Urbanisten, unter der Leitung des „Fonds de Logement“, auf der Industriebrache Düdelingen einen attraktiven Mix aus Altem und Neuem, variabel genutzten Industriehallen und ambitionierten Neubauten vor. Darunter der Erhalt der Metallstruktur des Walzwerkes und die Nutzung der gigantischen Stahlwerkshalle für Filmstudios.

Die an die Stahlwerkshalle angedockte Halle Fondoucq stand bereits auf der Abschussliste, obwohl sie von Künstlern und Bürgern genutzt wird, u.a. weil sie am besten in Schuss ist und die einzige auf dem Areal mit Commodo-Genehmigung ist. Jetzt ist die Stahlwerkshalle auch an der Reihe, denn mittlerweile wird ein B-Szenario erwogen, in dem die grandiose Stahlkonstruktion einem Neubau weichen soll. Irgendwann wird es dann an der Reihe des Walzwerkgerippes sein, wo jemand seine Baufälligkeit attestieren wird.

Irgendjemand? Nein, der Jemand ist der Bock, der zum Gärtner gemacht wird. Am Rande erfährt nämlich der staunende Gemeinderat, dass die Licence to kill  für Fondoucq und Stahlwerkshalle aufgrund von Gutachten seitens des „Service des Sites et Monuments Nationaux SSMN“ erfolgt, die zufälligerweise dem Dossier Neischmelz nicht beiliegen. Aus den 3D-Bildern des Dossiers ist die Stahlwerkhalle denn auch schon getilgt worden, was das Anrollen der Bagger schon erahnen lässt.

Es gab die Genehmigung für den Abriss einer attraktiven Halle auf dem Paul Wurth Areal in Hollerich, das passive Zuschauen bei größeren Abrissaktionen in Esch, Differdingen oder Luxemburg und nicht zuletzt die Hetzjagd auf das herausragende Emblem hiesiger Industriekultur, die Gebläsehalle in Belval. Dies ist der vorerst letzte Akt eines Zerstörungsfeldzugs, der die vielbeschworene Identität Luxemburgs von unbequemen Reminiszenzen an Industriearbeit weitgehend befreien soll und die Präsenz von Kathedralen aus Eisen und Stahl auf eine farbenfroh beleuchtete Kulisse für deftige Volksfeste reduzieren möchte.

Eigentlich sollte man erwarten, dass eine Denkmalschutzbehörde sich den Schutz der Denkmäler vor dem Abrisswahn von Kommunen und Privatpromotoren auf die Fahnen schreibt. In Luxemburg ist dies eher das Gegenteil: wenn ein Gebäude an die nostalgische Zeit des Agrarlandes erinnert oder die Glorie von Villen der Hüttenbarone ausstrahlt, hat es eine gewisse Chance, in die Liste der schützenswerten oder gar geschützten Denkmäler aufgenommen zu werden. Erinnert eine Halle aus Eisen, Stahl und Glas mehr an Schweiß, Tränen und Staub der Arbeiter, ist ihr Schicksal schon fast besiegelt. Gemeinden, die vom „Sites et Monuments“ Sachkompetenz erwartet haben, werden durch deren Abrissmentalität, von dem Druck der Baubranche ganz zu schweigen, zu irreversiblen Zerstörungsfeldzügen gegen die eigene Vergangenheit und Identität verleitet. Düdelingen ist hierfür ein weiteres Beispiel, das die Entwicklung in Schifflingen oder Terre Rouge erahnen lässt.

Es ist an der Zeit, die seit Jahrzehnten verschobene Reform des Denkmalschutzes endlich in einer denkmalpflegerischen Richtung anzugehen, ehe es außer spanischen Schlössern und Disney-Kulissen nichts mehr zu schützen gibt. Den Abrissbirnen des „Sites et Monuments“ muss das Handwerk gelegt werden, ehe es zu spät ist. Fangen wir in Düdelingen, Belval und Schifflingen an!

déi gréng Diddeleng